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Einleitung

Dieser gesamte Artikel besteht eigentlich aus Spielleiter-Informationen, das heißt allen Lesern dieser Seite stehen diese Infos über Williams Leben zur Verfügung, doch die eigentlichen Charaktere innerhalb der Spielwelt wissen unter Umständen nichteinmal, dass er existiert. Geschweige denn, wie lange er schon lebt.

Von vielen einfach nur William genannt (vor allem, wenn sie keinen anderen William kennen), handelt es sich hier um William Kazar Duncan Nozak O'Neil, einem Hochländer von Mar. Heutzutage hat er weißbraune Haare, die ihn bis zur Schulter reichen, ein grünes (rechts) und ein rotes (links) Auge, eine muskulöse Figur und stets dunkle oder gar schwarze Kleidung. Er ist 1,92m groß, spricht oft in Rätseln und verbirgt eine Menge an Wissen und Geheimnissen.

Er ist ein Mann voller Mysterien und ein Held in vielen Ländern und Welten. Er hat unzählige Titel gewinnen können, die er irgendwann nicht mehr als wichtig empfand. Was waren schon Titel wie Drachentöter, Schwertmeister, Meisterhafter Schütze, Orkspalter, Sieger der Arena der Barbaren, Überlebender des Labyrinths von Börn und derweil weiter, die andere ihm gaben für das, was ihn durch Können und durch Glück widerfuhr? Er findet zwar Gefallen an eine gewisse Anerkennung und gegenseitigem Respekt, er ist jedoch kein Angeber und möchte sich nicht mit seinen Siegen brüsten. Wenn schon, sollen das die anderen für ihn übernehmen. Demnach wäre selbst die Behauptung er sei "ein sehr erfahrener Held" eine Untertreibung.

Das Folgende war ein Versuch, seinen Lebenswandel grob wieder zu geben. Mittlerweile etwas überarbeitet. Dabei konnte ich nicht auf die unzähligen Abenteuer genau eingehen. Dazu ist die Masse an Entwicklungen und Abenteuer, die er bereits bestritt, zu gewaltig. Außerdem sind mir einige Namen im Lauf der Jahre entfallen, wie z. B. der Name seines Mörders. Oder seines "Wegbereiters in die Unsterblichkeit", je nachdem wie man es sehen will.

Junge Jahre

Er kam unter dem Namen William Duncan O'Neil um 325 Jahre vor Neuzeit als Sohn des Clans der O'Neil (Vater Patrick, Mutter Ethresa) zur Welt. Seine ursprüngliche Haarfarbe war braun und seine Augenfarbe grün. Er hatte zwei Brüder. Einer starb jedoch schon im Kindesalter von 2 Monaten an Grippe. Der andere, namens Malcolm Henry, war ein vorwitziger Kämpfer, der stets die Herausforderung liebte und etwa sechs Jahre älter als William war.

Malcolm schaffte es, sich stets in körperlichen Herausforderungen zu behaupten. Auch konnte er viel besser seinem Vater bei der Landarbeit und bei Arbeiten rund ums Haus helfen, als dies William tun konnte. William stand deswegen immer im Schatten seines größeren Bruders. Immerhin wurde er als Träumer und Taugenichts angesehen, der einfach seine Gedanken nie im hier und jetzt hatte. William fühlte auch öfter "Schwingungen" oder dergleichen, deren Zweck oder Herkunft er sich nicht erklären konnte.

Als er etwa 11 Jahre war, begann Malcolm mit ihm ab und an zu trainieren, da William, so fand Malcolm, ein wenig schwächlich war. Doch William hatte nach einiger Zeit immer weniger Lust dazu, obwohl er durchaus lernfähig und -willig war, denn sein Bruder machte sich oft über ihn lustig oder führte ihn bei einem Kampf an der Nase herum. William nahm viele Späße persönlich, gerade wenn Malcolm ihn am Boden festklammerte und sein Gesicht in den Matsch tunkte.

Malcolm selbst wurde immer überheblicher, je mehr Leute er in Ring- und Faustkämpfen besiegte. Er gab damit sogar vor Frauen an, die oft darauf eingingen und er so die ein oder andere Nacht in einer Scheune oder bei seinem derzeitigen "Mädchen", wie sie Vater nannte, verbrachte. Er wurde zusehends oberflächlicher. Ihm reichte das Leben auf dem Land, abends einige obszöne und angeberische Witze in der Kneipe und öfter mal eine Frau im Bett, immer wieder eine andere.

Doch das wurde Malcolm zum Verhängnis. Zwei Halunken legten sich mit ihm wegen zwei Frauen an. Erst war es ein offener Kampf einer gegen zwei, dann jedoch wurde Malcolm ausgetrickst und von ihnen ermordet. Dies war auch ein Grund dafür, warum William mit 15 Jahren aufbrach und die Mörder suchte. Ein anderer war, da er es mit seinem Vater zu Hause nicht mehr aushielt, da dieser den Tod Malcolms zutiefst bedauerte und auf den ungeschickten, verträumten William herab sah.

William, der zu Hause insgeheim ein wenig trainierte und gerade wegen dem Tod seines Bruders verbissen weiterhin den Kampf übte, wurde immer besser und geschickter. Er half bald auch der Stadtgarde, nach einer Ausbildung. Er bewachte Marktplätze, verfolgte Marktdiebe und hielt Wache. Während er auf diese Weise kleinere Stadtabenteuer erlebte, lernte er in der Praxis und durch einige wohlwollende Gardisten, sich im Kampf effektiv mit Waffen zu wehren und Angriffe zu kontern und zu blocken.

Am liebsten mochte er den Kampf mit langen, schmalen Klingen. Bei seiner langen Suche nach den Mördern zog er durchs Land und fragte, oftmals naiv, Fremde, ob sie mit ihm zum Zeitvertreib ein wenig kämpfen würden, so zur Übung. Er wollte sich nie auf eine Waffe festlegen, weswegen er es immer gerne sah, wenn jemand ihn den Kampf mit einer anderen Waffe beibrachte. Nach einigen Jahren wandelte sich seine Vorliebe für lange Klingen in die Vorliebe für große oder lange, zweihändige Waffen, wie Äxte, Zweihänder, Hämmer, Hellebarden und dergleichen. Auch faszinierten ihn die verschiedenen Künste, mit denen Waffen verziert oder auf einmalige Weise geformt wurden.

Durch seine Naivität und seiner Idee, mit jedem den Kampf zu üben, oder andere Arten des Kampfes zu lernen, geriet er an einige zwielichtige Gestalten. Dabei wäre William mehr als nur einmal beinahe ums Leben gekommen. Bei einer dieser Begegnungen, es war auf dem Land zwischen den Städten, wurde er schließlich sogar tödlich verwundet. Doch wachte er Stunden später auf, als wäre nichts passiert. Seine Wunden waren weg und er lebte ganz normal weiter.

Aus Legenden und Büchern seiner Landsleute erfuhr er, dass es wohl Unsterbliche gab oder gegeben hatte und er somit zu solch einem geworden war. Man nannte sie Überlegene, denn sie konnten nur besiegt werden, wenn ihr Kopf vom Rumpf getrennt wurde. Man flüsterte über sie nur hinter vorgehaltener Hand. Sie lebten im Geheimen, unentdeckt von der Bevölkerung, die nicht einmal wusste, was die Wesenheit der Überlegenen war. William begann seine Kampfeskünste zu vertiefen und die bösartigen unter den Überlegenen zu bekämpfen. Er sorgte so für ein sichereres Hochland.

Außerdem fand er irgendwann die Mörder seines Bruders, die er sogleich zu einen Kampf zwei gegen einen heraus forderte. Anfangs lachten sie und hielten es für einen schlechten Witz. Allerdings hatten sie gegen William keine Chance, denn sie waren ganz einfache Kämpfer und keine Überlegene. William selbst kam es immer noch auf die Rache an, doch nach deren Tod dachte er bekümmert an seinen Lebenswandel und an das aggressive, kämpferische Leben mancher Menschen.

Er wurde rastlos und fragte sich, was es noch für Geheimnisse im Leben gab und worin der Sinn lag. Er versuchte vieles, was er gelesen hatte, auf zu frischen und sein Wissen zu erhalten. Er grub sich in seiner Freizeit tief in die verschiedensten Bücher und half nebenbei der Stadtgarde, ein wenig Ordnung zu erhalten.

Ein Teil seines Geldes schickte er weiterhin seiner Familie, um diese zu Unterstützen und sein Fehlen auf dem Land wieder gut zu machen. Immerhin war sein Vater bereits gestorben und seine Mutter musste sich um fremde Hilfe bemühen, um eine halbwegs gute Ernte zu erringen. Er besuchte sein altes zu Hause immer häufiger und half seiner Mutter hin und wieder. Anfangs wollte er nur das Geld bringen und befürchtete, von ihr abgewiesen zu werden. Doch sie freute sich immer wieder, ihn zu sehen. Sie sagte öfter im Verlauf einiger Gespräche, dass er ein wenig "kalt" und "hart" wurde. Er habe sich wohl einiges von seinem Bruder angewöhnt, fand sie.

Der Aufbruch zu den Barbaren

Als seine Mutter eines Sommers durch ein Unwetter starb, trafen sich einige Verwandte des Clans der O'Neil. Der ganze Clan bestand nur noch aus etwa zehn Mitgliedern. William bekam von ihnen vor allem Vorwürfe zu hören, da er ja angeblich nie wirklich für seine Familie oder seinen Clan da gewesen war. Da reichte es William und er konterte mit der Frage, wo sie denn damals waren, als sein Bruder starb oder was sie unternahmen, damit seine Mutter ein besseres Leben hatten. Er schickte wenigstens Geld. Doch sie verstanden ihn nicht und wollten es auch nicht. Er kam sich wie ein schwarzes Schaf vor. Zu Unrecht, wie er fand.

Dies war der ausschlaggebende Punkt dafür, dass er den mühsamen Abstieg vom Hochland wagte und das Land der Barbaren aufsuchte. Er wollte sich erneut in Kämpfen messen und in der Arena von Zylon siegen. Außerdem wollte er in Erfahrung bringen, ob es auch unter Barbaren Überlegene gab und ob ihre Städte Schätze, Reichtümer und magische Besitztümer bargen. Er wurde fündig, mehr als er sich vorstellen konnte. Dabei lernte er, dass Barbaren durchaus das Potential zur Erschaffung von magischen Dingen hatten, jedoch es kaum nutzten. Das meiste, was magisch war, wurde durch andere Völker zu den Barbaren gebracht oder bei ihnen verloren.

In der Arena besiegte er alle seine Feinde bis auf seinen 5. Feind, ein Barbar namens Rakorben. Beide waren fast genauso stark und kämpften bis zur totalen Erschöpfung. Keiner konnte den anderen besiegen. Sie mussten erschöpft und halb tot vom Schlachtfeld der Arena getragen werden (William vermutete, dass der Barbar auch so etwas wie ein Überlegener war, konnte es aber nie beweisen).

Die Zuschauer waren nicht von ihrem Kampf enttäuscht, sondern jubelten frenetisch und riefen die Namen der beiden Helden. Dies war das erste Mal in der Geschichte, dass zwei Kämpfer in der Arena gleichzeitig zum Sieger ernannt wurden. Die beiden wurden für eine zeitlang Freunde. Doch während William weiterhin Abenteuer in den Landen der Barbaren erleben wollte, wollte Rakorben das Land der Hochländer bereisen. So trennten sich ihre Wege.

William fand einige nützliche Gegenstände, Waffen und dergleichen, was seine Sammelleidenschaft weckte. Bald musste er sich Häuser kaufen, um seine Habseligkeiten besser zu verstauen und nicht alles mit sich herum tragen zu müssen. Dabei war er immer wieder froh, wenn bei ihm eingebrochen wurde, denn dann konnte er sich wieder ein Ziel geben und sich auf die Suche nach den Dieben begeben. Er war eine ganze Zeit lang nämlich ziellos und irrte nur umher, ohne Sinn und Zweck. Unter anderem half William aus Langeweile, gesuchte Verbrecher unter den Barbaren zu finden. Außerdem machte er viele Bekanntschaften und Freunde. Doch, wie er fand, waren es keine Freunde, die so dachten oder empfanden wie er. Er war ständig auf der Suche nach Wissen, Schätzen und dem Sinn des Lebens.

Bald verliebte er sich in eine ungewöhnliche Frau namens Gandeba. Sie war blond, hübsch, intelligent, etwa zehn Jahre jünger, voller Stolz und störrisch, doch mochte sie den wissbegierigen und aufrichtigen William, der voller Phantasie steckte. Ihr eigenes Volk der Barbaren mochte sie nicht. Sie hatte ein schlimmes Leben hinter sich und über die Hälfte ihrer Familie wurde durch Blutfehden getötet, die sie als sinnlos und grausam empfand. William lebte ein Jahr mit ihr, doch konnte er ihr leider keine Kinder schenken. Dies strapazierte ihre Beziehung zusätzlich, da beide eigentlich Kinder wollten, es jedoch nicht möglich schien. Sie träumte auch davon, sich gemeinsam mit einigen anderen Freundinnen und Frauen von den Sitten und Gebräuchen der Barbaren los zu sagen und zu tun, was sie wollte. Nicht dass, was andere (Männer) sagten oder was eine Blutfehde ihr vorschrieb.

William fand jedoch die Ideen einiger ihrer Freundinnen als zu krass, weswegen er oft mit ihr stritt. In solchen Momenten ließ sie sich dazu hinreißen, William als zeugungsunfähig zu verschimpfen und ihn mehrfach an zu schreien. Er konterte oftmals damit, dass sie sich ja von solchen Traditionen lossagen wollte, doch ihr Zorn in diesen gewissen Momenten steigerte sich so, dass jedes weitere Wort von ihm zu einer Gefahr wurde. Er konnte und wollte bald nicht mehr mit ihr reden, denn sonst, so befürchtete er, würden sie wieder anfangen sich zu streiten. Sie wollte ihn zusehends zu einem unterwürfigen Mann umformen, was ihm gar nicht gefiel.

Bei einem neuerlichen Streit meinte er, dass sie doch mit ihren Freundinnen dort ihr Reich gründen sollte, wo der Pfeffer wächst. Außerdem sollte sie sich einen anderen Sklaven als ihn zum Manne nehmen, er hätte keine Lust mehr an der Beziehung. Sie erschrak und erkannte ihren Fehler, William die ganze Zeit so wütend auf sich gemacht zu haben. Immerhin liebte sie ihn. Sie weinte und versuchte ihn zum Bleiben zu bewegen. Doch sie kannte William. Hatte er erstmal lange genug über eine Entscheidung nachgedacht, würde er diese Entscheidung bis zum Ende tragen und nichts würde ihn davon abhalten können. So zog er von dannen, ohne zu wissen, dass er somit seinen Teil dazu beitrug, eine Horde Frauen wütend auf die Männerwelt zu machen. So wütend, dass sie wahrhaftig und im Geheimen anderen Frauen ihre Ideen zu einem eigenen Reich offenbarten, was später irgendwann einmal zur Gründung der Stadt Amazonia führte (siehe Amazonen).


Reise durch das Land der Wikinger

William bereiste das Land der Wikinger und erlebte auch dort zahlreiche Abenteuer, bei denen er auch den 37 Jahre alten Magier Albert Raben aus dem Königreich Kingdora und den 24-jährigen, kriegerischen Vebagk Kazar Nozak kennen lernte. William schaffte es, die beiden in einer Zeit, als sie noch um ihren Freund Elliot Caldos trauerten und beinahe fremde Wege gingen, wieder zusammen zu schweißen und erneut für das Leben und für Abenteuer zu begeistern. Die drei wurden die besten Freunde.

Albert Raben war es, der in William ein gewisses Talent sah, magische Schwingungen zu erspüren und ein zu schätzen. Er brachte William die Grundkenntnisse der Magie bei, was zunächst nur dessen allgemeines Wissen erweiterte. Doch eines Tages brachte er einen Zauber zustande, der zur Analyse bestehender Zauber diente. Albert Raben erkannte das Potential in ihm und bildete ihn zu einem Magier aus. William gab jedoch nie seine körperlichen Kampfeskünste auf, sondern wurde, so ganz nebenbei, in einem Wettbewerb zum Schwertmeister gekürt. Er wurde das, was Legenden als „Zauberer“ bezeichneten: ein Krieger, der sowohl mit Magie als auch mit bloßem Körpereinsatz kämpfen konnte. Einer, der magisches Wissen, kämpferisches Können und Erfahrung in beiden Bereichen zu einer tödlichen Kombination verband.

Die drei halfen einigen Wikingern auch, eine Expedition zu den Buntmenschen zu unternehmen. Sie bereisten den gigantischen Wald und freundeten sich sogar mit einigen Stämmen an. Bei diesen Gelegenheiten diskutierte William mit Albert viel über Naturreligionen, Schamanen und Druiden und wie Magier dazu stehen. Albert Raben selbst war sehr skeptisch dem gegenüber. Seiner Meinung nach war das Schamanentum keine verlässliche Quelle für wirksame und kalkulierbare Magie. Diese musste studiert und das Wissen um sie sorgfältig bewahrt und verstanden werden. Schamanen waren seiner Meinung nach nur Dilletanten mit unverschämtem Anfängerglück. Druiden dagegen waren auch Albert ein Mysterium, das wohl die Natur selbst erschaffen hatte.

Es waren diese Gespräche in dem Dschungel, die Kazar Nozak von den anderen beiden distanzierte. Wie schon kurz vor Williams Auftreten spürte Kazar, dass sein freundschaftliches Band mit Albert schwand. Noch dazu auch mit William. Dieser trainierte zwar fast täglich mit ihm, doch vertiefte er sich zusehends mit Albert in die Gespräche und Lehren der Magie, mit denen Kazar nichts anfangen konnte. Doch William schaffte es, Kazar zum Bleiben zu bewegen und bei Laune zu halten.


Fremde Welten

Als die drei schließlich in einer anderen Welt namens Dere landeten, in der Albert und Kazar bereits einmal mit Elliot Caldos heldenhafte Taten begingen, hatten sie neue Abenteuer vor sich. Unter anderem schafften sie es nach einer Weile, einen bösen und machtbesessenen Drachen zu erlegen und dessen Schätze unter sich auf zu teilen. William erlangte endlich die Möglichkeit, seine Sammelleidenschaft für nützliche oder zumindest interessante Gegenstände fort zu führen, denn er fand einen Nimmersatten Beutel, in dem er alles Mögliche verstauen und mit sich führen konnte.

Kazar Nozak sah die Gelegenheit günstig, sich mit dem Geld in einer Stadt nieder zu lassen und sesshaft zu werden. Also taten die Freunde, was Freunde eben tun wenn sich einer dazu entscheidet, sesshaft zu werden: sie halfen ihm ein Haus zu bauen und blieben noch eine Weile bei ihm. Kazar wollte übrigens das Haus aus eigenem Elan bauen und nicht, wie von Albert vorgeschlagen, ein bereits fertiges kaufen. Der Stolz der Vebagk baute unter anderem darauf, alles selbst machen zu können und das eigene Leben somit ohne fremde Hilfe oder Einfluss von allzu viel Tauschhandel zu bestreiten. So erklärte er es seinen Freunden.

William und Albert zogen alleine weiter, nachdem sie sich in einer fast einwöchigen Feier von Kazar trennten und ihm viel Glück wünschten, wie auch er ihnen selbiges wünschte. Bei einem gefährlichen Abenteuer im Turm eines feindlichen Magiers passierte es. William zauberte und kämpfte und Albert deckte den Feind mit seiner Magie ein. Der gegnerische Magier konzentrierte sich auf Albert und schaffte nur Ablenkungen für William. Als William endlich alles überstand und den Magier töten konnte, sah er Albert auf den Boden liegen. Er war in seinen letzten Atemzügen und keinerlei Heiltrank vermochte es, die schädliche Magie des Feindes aus dem Körper von Albert zu vertreiben. Albert meinte, dass er magisch vergiftet wurde und sein Tod gewiss sei.

Während William dies nicht einsehen und seinem Freund, den er erst etwas über zwei Jahre kannte, helfen wollte, offenbarte Albert ihm, dass er einen kleinen Teil seines magischen Wissens und Könnens durch ein Ritual auf William übertragen konnte. Die Zeit drängte, so entsprach William dem letzten Wille seines Freundes. Er trank im Ritual dessen Blut, während Albert Formeln zitierte und mächtige Magie wirkte. Albert instruierte William, sein Gehirn vollständig zu verzehren, sobald er gestorben sei. Nur so könne sich das Wissen in William "übersetzen", wie er es nannte.

Das Ritual hätte viele vielleicht abgestoßen oder wäre als schwarze Magie bezeichnet worden, doch William vertraute seinem Freund und führte es zu Ende. Da geschah es, dass er tatsächlich ein besseres Verständnis für Magie erlangte und ein paar Zauber dazu lernte. Doch ebenso wie seine Sichtweise der Magie gegenüber ein wenig geändert wurde, wurde auch sein Aussehen verändert: er sah aus, als wäre er plötzlich um einige Jahre gealtert, seine einstmals brünetten Haare waren nun weißbraun und die Pupille seines linken Auges wurde tiefrot.

Er trauerte um seinen Kameraden, doch traute er sich nicht, Kazar auf zu suchen und zu berichten, dass er Albert nicht beschützen konnte. Schlimmer noch: Kazar hätte ihm bestimmt entlockt, dass Williams neues Aussehen von diesem fragwürdigen Ritual her rührte, dem er zugestimmt hatte. Kazar würde ihn vielleicht dafür verachten, hatte er doch auch sonst kaum was für die Magie übrig. So zog William weiter, einsam in dieser unbekannten Welt, auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Auf der Suche nach das, was seinem Leben einen weiteren Sinn gab.

Er befreite eine Prinzessin (sie war leider nicht sehr ansehnlich), bewahrte zwei Länder vor der Kriegsgefahr, bekämpfte Orks, Trolle und dergleichen, deckte Verschwörungen und spürte Verbrecher auf, sammelte alte Reliquien und Bruchstücke von Artefakten, um diese wieder herzustellen oder ihrem Besitzer zurück zu bringen, sicherte Transportwege, verhalf einigen Sklaven zur Freiheit und stürzte einen menschenverachtenden Herrscher.

In dieser Zeit machte er sich einige Freunde (unter anderem die Gerechten) und viele Feinde. Er hatte auch ganze Generationen und Kulturen inspiriert, die in seinem Namen kämpften oder sich weiterhin um Entwicklungen und Feinde einer Region bemühten, die William zuvor befreite. Er war auch bei vielen der Geschehnisse dabei. Jedoch lernte er, dass er schon lange kein gewöhnlicher Krieger oder Held mehr war. Er konnte mit Leichtigkeit Gefahren überwinden und Dinge tun, bei denen andere Helden ihr Leben lassen mussten. Also entschied er, dass es für ihn besser wäre, allein weiter zu reisen. Er verließ Freunde und Begleiter, nicht ohne ihnen viel Glück weiterhin zu wünschen und zu erklären, warum er ging. Er selbst sah sich, seinen eisernen Willen, sein Können und seine Unsterblichkeit als Gefahr für Personen um ihn herum. Viele baten ihm zu bleiben oder wollten andere Lösungswege gehen, doch sein Entschluss stand fest.


Zurück auf Mar

Er kam durch ein Portal zurück in die Welt von Mar und tauchte im ihn noch unbekannten Kaiserreich Arinsgord auf. Auch dort erlebte er ein paar Abenteuer, vertiefte jedoch erneut seine Sammelleidenschaft und erprobte seine in der Vergangenheit gelernte Fähigkeiten, um unbemerkt durch Gebiete zu gelangen, Fremde aus zu spähen und verlorene Gegenstände auf zu spüren.

Bei dieser Gelegenheit suchte er nebenher auch jahrelang nach einer legendären und fast vergessenen Festung namens Candron. Diese Festung wurde vor Jahrhunderten vom Helden Candric erschaffen. Candric soll sich laut Legenden eher mit Magie als mit Kampf ausgekannt haben, weswegen er diese Festung als seine "tragbare Heimat" erschuf. Ebenfalls erschuf er eine Rüstung namens Candros, die nur der Besitzer der Festung tragen durfte und ein dazugehöriges Schwert mit Namen Candror. Dieses Schwert konnte nur derjenige tragen, der die Rüstung trug, und es war eher eine Art Zweihänder als ein Schwert.

Wie gesagt, nach Jahren der Suche und dennoch überraschend fand William diese Festung. Er hatte schon an ihrer Existenz gezweifelt und suchte sie an Orten weitab der Zivilisation. Mehr oder minder am letzten Fleck, den er eigentlich nur durchwandern wollte, sah er die Festung. Sie war aus Metall erschaffen und stand auf einer Lichtung in einem Wald. Der Besitzer der Festung, wobei William nicht wusste, ob es Candric war, lag tot im Hof, sehr wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben. Seine Augen starrten zum Himmel und wohl nur wegen der magischen Kraft der Festung war sein Körper noch nicht verwest. William begrub ihn dort, wo er gestorben war, im Hof, und versprach ihm am Grab, dass er stets auf die Festung aufpassen werde.

Anfangs lebte William einige Monate in der Festung und suchte einen Weg, wie er sie mitnehmen konnten. Die schriftlichen Überlieferungen und die mündlich überlieferten Legenden waren dahingehend zu ungenau. Doch er schaffte es irgendwann, den richtigen Zauber mit den richtig ausgesprochenen Worten zu aktivieren, der die Festung auf etwa Münzgröße verkleinerte. Nun konnte er sich die Festung sprichwörtlich in die Tasche stecken, mitnehmen und auf jedem Acker oder auf jedem Wiesengrundstück entsprechender Größe wieder "wachsen lassen". Alles, was sich innerhalb der natürlichen Begrenzungen von Candron befand, wurde ebenfalls verkleinert und war später, nach dem Transport und nach Reaktivierung wieder am ursprünglichen Platz.

Die Rüstung und die Waffe, die zur Festung dazu gehörten, fand er in einer Art Waffenkammer. Er konnte jedoch die Rüstung nicht tragen, da sie ihm zu eng und unbequem war. Dementsprechend konnte er auch nicht den Zweihänder benutzen, da er dazu ja die Rüstung tragen musste. Er ließ beides in der Waffenkammer der Festung und trug die Festung selbst stets in seinem nimmersatten Beutel.


Rückkehr zum Hochland

Nachdem er etliche Jahre unterwegs und etwa 100 Jahre weg von zu Hause war, kam er wieder ins Hochland. Dort erfuhr er auch beiläufig vom Barbarenkönig namens Rakorben, der einzige Barbar, der jemals die Hochländer regierte. William lächelte. Irgendwie hatte er sich sowas eigentlich von Rakorben denken können.

Er selbst wollte nie König werden, obschon er sich fragte, ob er den König besiegen konnte. Doch er hatte Angst davor. Keine Angst zu unterliegen oder zu Sterben, sondern vor der Verantwortung, in seinem Land König zu sein. Immerhin musste er dafür so viele Dinge aufgeben. Er liebte es, einfach umher zu reisen und fremde Kulturen kennen zu lernen. Also sorgte er ein paar Monate in seinem Heimatland erneut für sichere Straßen und ging auf Verbrecherjagd.

Doch sein Land hatte sich verändert. Es war nicht mehr das jahrtausend alte, wilde Land der Clans und auch die Dörfer und Kleinstädte waren zu richtigen Städten empor gewachsen. Viele Hochländer unternahmen, wie er einst, Reisen zum tiefer gelegenen Festland, um Barbaren und all die anderen Länder zu besuchen. Auch hatten sich fremde Völker hier und da nieder gelassen und brachten magische Gegenstände oder die Kenntnisse um Magie mit. Diese waren den Hochländern noch vor 100 Jahren unbekannt. William hatte ein Auge auf die Magier, doch waren sie alle schwach begabt, noch schwächer als er. Immerhin übte er nicht mehr so wie zu Lebzeiten von Albert Raben die Magie, sondern nur noch spärlich. Er konnte sie zwar, doch mochte er es lieber, seinen Körper einzusetzen. Was nicht hieß, dass er keine Zauber bewirkte, doch im Gegensatz zu seinem kämpferischen Können nutzte er sie nur halb so oft.


Lange Reisen auf dem Barbaren-Kontinent

Als er der Meinung war, nichts könne sein Hochland gefährlich werden, verlies er es erneut. Fast direkt am Fuß des Berges, auf dem die Hochländer lebten, entstand ein Dorf namens Broban, von einer Vielzahl von Hochländern und einigen Barbaren errichtet. Er half dieses Dorf auf zu bauen und ging auf Orkjagd in den umliegenden Gebieten. Von da an ging seine Reise dann weiter erneut durch das Land der Barbaren. Er wollte seine alten Häuser besuchen und schauen, ob sie noch existierten. Er hatte nie Gelegenheit gefunden, früher zu ihnen zurück zu kehren. Doch fast alle bis auf eines waren verkauft, zerstört oder verändert worden. In dem einzigen unberührten am Rande der Stadt Klantion fand er tatsächlich noch einige seiner aufbewahrten Sammelgegenstände, die er sogleich in seinen nimmersatten Beutel verstaute. Doch vieles war verschwunden.

Er handelte ein wenig mit den Barbaren und verkaufte einige Dinge, die er nicht mehr so interessant fand und die auch nicht allzu magisch waren. Schließlich wollte er nicht für einen Krieg unter Barbaren verantwortlich sein, in dem die Sieger nur durch mächtige magische Gegenstände siegten. Auch den Barbaren waren solche Waren weitestgehend fremd.

Er besuchte das Land der Amazonen und erkannte darin einige Ideen seiner damaligen Barbarenfrau und deren Freundinnen wieder. Doch empfand er deren Männerstall zunächst als Form der Sklaverei, weswegen er die Männer in einer Nacht und Nebel-Aktion befreien wollte. Die Hälfte der Männer liebte jedoch ihr Leben im Männerstall und wollte bleiben. Die anderen rannten wie sie nur konnten. Er wurde im Laufe der Geschehnisse von einem der Männer verraten. William erkannte, dass sich alle Amazonen auf ihn stürzen und somit einen Krieg gegen ihn führen würden und er entweder starb oder für den Untergang des neuen Reiches, von Frauen gegründet, verantwortlich werden würde. Er floh gen Osten.

Etwa ein Jahr später stand er am östlichen Ende des Kontinents, nahe der Stadt Immokat. Da er wusste, dass irgendwo nordöstlich vom Festland und in direkter Nähe dazu die Insel der Vebagk war, sprang er einfach vom Rand einer Klippe ins weit unterhalb gelegene Meer. Er war jedoch nicht tollkühn zu nennen, da er wusste, dass er würde überleben. Schließlich war er unsterblich, es sei denn man würde seinen Kopf nehmen. Und so wurde er beim Aufprall auf die harte Wasseroberfläche ohnmächtig, nur um einige Stunden später, inzwischen mitten im Meer treibend, zu erwachen. Er verfluchte sich selbst für seinen Sprung, da er gegen unzählige Wasserkreaturen schwimmend kämpfen musste, während er gen Norden schwamm.

Er konnte soviel im Wasser kämpfen und zaubern gegen die Feinde, wie er wollte, aber er kam einfach nicht zu der weiter im Norden gelegenen Insel. Während er die dritte Seeschlange tötete und in der Ferne einen Kraken erblickte, dachte er daran wieder an Land zu gelangen. Er machte seinen Sprung mit einem Zauber rückgängig und stand erneut auf der Klippe, unter ihm das Meer.

Diesmal nahm er sich vor, an der Küstenlinie entlang zu gehen. So musste er jedoch bald feststellen, dass die Küstenlinie zu einer unwegsamen Bergregion wurde, die einige hundert Meter Abstand zum darunter liegenden Strand hielt. Nun, ein Strand war es nicht gerade, eher ein kleiner dünner Sandweg. Er kletterte diesmal halbwegs nach unten, bevor er auf den Sandweg sprang. Als er wieder von seiner Ohnmacht aufwachte, ging er die Küste entlang. Auch da musste er einige Male klettern.

Als er dann zu einer Meerenge kam und die Insel der Vebagk sehen konnte, levitierte er die letzten Kilometer der Strecke, wobei sein Levitationszauber kurz vorm Strand aufhörte. Er schwamm den letzten Rest und fasste endlich Fuss auf der Insel. Wenn er bloß einmal hier gewesen wäre, dann hätte er sich dorthin teleportieren können, sagte er sich.


Bei den Vebagk

Im Wald der südlichen Inselregion angelangt, freute er sich darauf, endlich wieder Wild jagen zu können. Hauptsache nicht wieder so viel Fisch, wie die letzten Tage. Die nächsten Tage machte er seinen Weg durch den Wald und kam schließlich auf eine weite, grüne Ebene heraus. In der Ferne sah er eine Stadt und ging zielstrebig darauf zu. So erreichte er die Stadt Ailemis.

In den folgenden Tagen und Wochen verbrachte er seine Zeit damit, sich mit einigen Vebagk anzufreunden und ihre Kultur kennen zu lernen. Es war eine höchst interessante und in sich selbst sehr unterschiedliche Kultur, wie er fand. Er erzählte einige Geschichten, kämpfte mit einigen Kriegern und führte viele Gespräche. Er machte sogar aus Spaß die Armreifprüfung mit und trug den mit eisernen Spitzen im inneren versehenen Armreif eine Woche lang. Er war aber froh, diesen wieder los zu werden, da es einen in der natürlichen Bewegung behinderte. Unter anderem durch diese Prüfung wurde William bei den Vebagk als vollwertiger Krieger anerkannt.

Nachdem er schon vier Städte der Vebagk bereist hatte, traf er seinen einstigen Freund Kazar Nozak wieder, da dieser gerade vor einigen Tagen in das Land seiner Herkunft zurückkehrte. Die beiden erzählten sich viel von ihren Erfahrungen und Reisen. Dabei erfuhr Kazar auch vom Tode von Albert Raben, was er jedoch besser aufnahm, als William dachte. William dagegen erfuhr, dass Kazar, wie damals von William vorgeschlagen, das Hochland besuchte. Dort wurde er sogar auch, wie William ein Überlegener und somit ein Unsterblicher. Dies erklärte, warum Kazar nach all den Jahren noch lebte (nicht dass William eine Erklärung haben wollte, er freute sich einfach den Vebagk wieder zu sehen).

Sie blieben viel zusammen die nächsten Wochen und lernten voneinander in einigen Bereichen, doch merkten sie auch, wie sehr sie sich weiterentwickelt und geändert hatten. Sie waren sich gegenseitig fremd geworden. William war ein besserwisserischer Einzelgänger und Kazar ein jähzorniger, draufgängerischer Herausforderer geworden. William war der Meinung, dass sich Kazar zu oft in schwierige Lagen manövrierte, aus die er vielleicht gar nicht mehr raus kam. Er forderte manchmal die Leute in vielen offensiven Bereichen heraus, als würde Kazar eh bald sterben und das alles nur eine Frage von Tagen wäre, weswegen er es damit wohl eilig hatte. Schlicht: Kazar benahm sich wie ein lebensmüder Idiot.

Kazar jedoch dachte von sich, dass er so viel bereits durchgemacht hatte, dass er nicht anders konnte als die Leute heraus zu fordern und sie damit zu erinnern, wer er war. Er forderte selbst William zweimal bei Missverständnissen heraus, doch William konnte ihm das noch ausreden. Leider waren ein Teil von Williams neuen Freunden die Feinde von Kazars Freunden, und so verdichtete sich ein Intrigenspiel, in dem Kazar bald die Geduld verlor. Er tötete fast wahllos und kam irgendwann zu einem Punkt, an dem er William töten wollte. Kazar dachte nämlich, dass William ihn früher oder später eh umbringen wollte. Schließlich waren sie zwei Überlegene und der Sieger würde stärker werden. Außerdem legte Kazar im Verlaufe der Gespräche den Tod von Albert Raben so aus, als hätte William den Magier absichtlich sterben lassen oder sogar selbst hinterrücks ermordet.

William wollte ihn überzeugen, dass es nicht zu einem Kampf kommen würde und dass er niemals beabsichtigte, Kazar zu töten. Doch Kazar war gegenteiliger Meinung. Nach einem Katz-und-Maus-Spiel über einige Tage sah William schließlich ein, dass er fliehen konnte, aber Kazar ihn trotzdem immer suchen würde. Und da einige Vebagk ihn schon für feige hielten und William normalerweise nie vor einer Herausforderung zurück schreckte, zeigte er sich Kazar. Nicht jedoch, um ein letztes Mal an ihre Freundschaft zu appellieren. Kazar jedoch hatte sich in den letzten Tagen total in einen Hass und Verfolgungswahn hineingesteigert. Man konnte mit ihm nicht mehr vernünftig reden.

So kam es in Heiden zum Kampf zwischen den Freunden, in dem William um Kazar weinte, da er davon ausging, dass er ihn töten würde. Es war wider Erwarten ein langer Kampf und Kazar war beinahe William ebenbürtig. Zumindest was einen normalen Kampf anging. Immerhin konnte in einem Kampf zwischen zwei Überlegene keinerlei Magie eingesetzt werden. Das war den Überlegenen bekannt und durch irgendwelche höheren Mächte so bestimmt worden, denn Magie klappte auf und von den Überlegenen während solcher Kämpfe nicht. Erst nachdem der Gegner geköpft war, waren Zauber wieder möglich. So zählten nur die Muskeln und der Stahl.

Als er dann, nach einem langen und unerbittlichen Kampf, seinen Freund den Kopf abschlug, erinnerte er sich an den Zauber von Albert. Einen Zauber, der die Gedanken einer Person zumindest teilweise auf den anderen übertrug. Denselben verwendete Albert, als er im Sterben lag, bei sich und William in Form eines Rituals. William reagierte innerhalb von Sekunden mit all seiner Macht in höchster Verzweiflung. Noch im Reden wandelte er die Magie ein wenig ab und sprach eine neue Formel, die auf dem Fundament seines gereiften Verständnisses der Magie fußte.

Dann geschah jedoch etwas, was William nie für möglich hielt und auch nicht beabsichtigt hatte: William und Kazar verschmolzen gedanklich zu einer Person. Auch das Aussehen von ihm oder ihnen war eine Mischung aus beiden. William/Kazar hatte spitz Ohren, zwei verschiedenfarbige Augen (rot und grün), weißbraune Haare, eine Stirnplatte und eine gewellte Nase. Noch dazu herrschte im Kopf von ihnen ein totales durcheinander und geistig gingen sie sich auch an die Gurgel. Sie waren nicht mehr sich selbst. Zusammen gefangen in einem Körper.


Aus zwei wird eins

Nur nach Wochen lebten sie mit gemeinsamer Akzeptanz im Körper. Sie nannten sich von nun an, um ihre Veränderung auch namentlich kenntlich zu machen, William Kazar Duncan Nozak O'Neil. Sie stritten sich häufig um irgendwelche Ansichten und wollten sich gegenseitig beeinflussen, aber sie schafften es dennoch, ihren "Zustand" zu akzeptieren. Es war manchmal verwirrend, was wer dachte und fühlte und wer wohin gehen wollte und wer nicht. Manche Leute sahen sie bzw. ihren Körper mitten auf dem Weg, wie sie in eine Richtung gingen, sich umdrehten und in eine andere Richtung losgehen wollten, stehen blieben und Selbstgespräche führten und erneut in eine andere Richtung losgehen. Sie entfremdeten sich mehr und mehr von den Vebagk, auf deren Insel sie nach wie vor lebten.

Nach Monaten merkten sie auch, dass Teile von Kazars Gedanken und Meinungen auf Williams Gedanken über gingen und Kazar selbst bzw. sein Geist langsam starb. Fast ein Jahr dauerte es, bis William nur noch eine Person in einem Körper war, mit seinem alten Aussehen. Als der letzte Gedanke von Kazar verging, wußte William, dass dieser nun endgültig gestorben war. Spricht man ihn an, so wird er diesen Tag als Todestag nennen. Nicht den Tag, an dem er die sterbliche Hülle von Kazar köpfte.

Doch William war immer noch nicht er selbst. Es war eher so, dass ein Teil von ihm nun so fühlte und dachte wie Kazar. Eingedenk dieser Tatsache behielt er den von ihnen beiden festgelegten Namen bei und verließ die Insel der Vebagk. Er konnte es nicht ertragen, Personen um ihn herum zu sehen, die so ähnlich aussahen wie sein ehemaliger Freund und wie ein ehemaliger Teil von William. Ja, wie ein Teil von ihm, der jetzt tot war. So empfand William zumindest.


Die Verwirrung

In Port Vebagk angekommen, konnte William sich nicht mehr erinnern, wohin er eigentlich wollte. Er nahm kurzerhand das nächste Wikingerschiff zum Kingdora-Kontinent, da es noch am gleichen Tag ausfuhr. Vielleicht würde er auf der Reise seine Enttäuschung, Verwirrung und Frustration loswerden.

Auf der langen Reise ging es ihm jedoch stetig schlechter. Anfangs schlief er nicht gut und wachte morgens erst spät auf. Jeden Morgen war er verwirrt und musste erstmal überlegen, wo er war. Es schien so, als würden seine Gedanken durcheinander rasen. Teile seiner Erinnerungen waren auf einmal weg, nur um Stunden oder Tage später wieder auf zu tauchen. Zuerst dachten die Männer an Bord, dass William sich nur ein paar Scherze erlaubte. Als es jedoch zunehmend ernster wurde, untersuchte ihn der Schiffsmedikus. Aber der konnte nichts feststellen. William hatte kein Fieber, nur große Müdigkeit und teilweise Gedächtnisverlust. Der Medikus riet ihm, sich auf dem Schiff komplett zu erholen und viel zu schlafen. Außerdem riet er ihm, in Kingdora einen Kleriker oder Druiden auf zu suchen. Vielleicht sei seine Krankheit seelischer Natur.

Sein Zustand verschlimmerte sich. Er schlief mehr als den halben Tag, hatte kaum noch Elan und selbst einfache Kampfeshandlungen beanspruchten seine gesamte Konzentration. Er fühlte sich, als würde er sich verlieren, nicht nur den Verstand, sondern sein ganzes Selbst. Würde er sterben? Immerhin verschmolz er sich mit Kazar Nozak zum Zeitpunkt dessen Todes. Da dessen Gedanken vor einigen Tagen vergingen (und er damit starb), konnte dieses Sterben auch auf William selbst übergesprungen sein. Ein Indiz dafür konnten die neuen Ansichten und Gedankengänge Williams sein, die eindeutig von Kazar stammen mussten.


Kingdora-Kontinent

Nach etwas mehr als zwei Wochen hatten die Wikinger die Hafenstadt Karlos auf dem Kingdora-Kontinent erreicht. Zuvor hatten sie auf einer nicht näher benannten Insel drei Tagesreisen vor dem Kontinent einen Zwischenstopp eingelegt, das Schiff etwas auf Vordermann gebracht und ihre Vorräte aufgefüllt. In Karlos selbst ging William schnurstracks zum bekanntesten (und besten) Kleriker. Er fragte mehrmals nach dem Weg, bis er in dieser Stadt, die größer war, als er dachte, den richtigen Weg fand. Die Straßen und insbesondere der Hafen kamen ihm so "lang gezogen" vor. Reichlich Platz hatte man, wenn man auf den Wegen umher schritt, manchmal sogar fünf Meter auf beiden Seiten, wenn man genau in der Mitte ging. Die Architekten und Städteplaner hatten wohl für zahlreiche Umbauten der nächsten Jahrhunderte vorgesorgt.

Der Kleriker selbst verwies ihn auf einen Kleriker namens Laronion, der in Kingdora einen Tempel des Lichtgottes betrieb und viel erfahrener in Angelegenheiten der Seele sein sollte. William machte sich auf den Weg und erreichte die Stadt zwei Tage später. Manchmal kam es ihm so vor, als würde es vor seinen Augen flimmern. Schwindel erfasste ihn und wie in Trance ging er umher, sah farbige Sternchen und empfand vieles um ihn herum als unwirklich.

Laronion erwies sich als wirklich erfahrener Kleriker, der Williams Zustand ein wenig durch seine Gott gegebene Heilmagie lindern konnte. Doch eben nur lindern. Laronion stellte gleich mehrere Thesen auf, was mit William geschehe und geschehen sein mag. Und die Hälfte dieser Thesen besagte, dass William Heilung nur mit der Zeit finden würde, wenn er sich ein wenig entspannte und sich selbst weniger unter (Erfolgs-)Druck setzen würde. William blieb auch ein paar Tage in Kingdora, doch stellte er kaum Verbesserungen fest.

Da er von den Elfen dieses Kontinents hörte, die ganz im Norden lebten, wollte er ihnen einen Besuch abstatten. Sie waren immerhin keine gewöhnlichen Elfen, sondern betrachteten sich als "Hochelfen", allen anderen Elfenrassen überlegen, und sie sollten sehr Weise sein. Für William waren Elfen immer noch ein kleines Mysterium, besonders die Hochelfen. Er hatte auf dem Barbaren-Kontinent kaum und auf dem größten Kontinent von Mar einige normale Elfen sehen können, doch Hochelfen war er noch nie begegnet. Auch nicht auf den anderen Welten, die er bereiste. Vielleicht würden sie ihm helfen können. Er machte sich auf dem Weg, obgleich er wusste, dass dieser sehr weit sein würde.

Er durchwanderte den Wald, wobei er zweimal dort übernächtigte. Eigentlich schlief er jedoch nicht des Nachts, sondern tagsüber. Nachts reiste er weiter durch den Wald, immer auf der Hut vor Gefahren, die nachts natürlich erheblich größer waren als des Tags, da auch Raubtiere nachtaktiv waren. Er musste sich das ein oder andere Mal verteidigen und besiegte sogar einen Trupp Orks. Das kam ihn seltsam vor, denn immerhin meinten die Kingdoraner, dass sie die Orks des Kontinents vertrieben hätten.

Zu allem Übel wurde er im Wüstengebiet sogar von einem Skorpion gestochen. Dieser musste sich halb im Sand versteckt haben, denn William wäre beinahe auf ihn getreten. Glücklicherweise war sein körperlicher Zustand weit besser als sein seelischer (oder geistiger), denn nach einer fiebrigen Nacht hatte er das Gift überwunden. Er erreichte Karnala und verweilte einen Tag in der Stadt.

Nachdem er von Karnala aus neun Tage bis nach Wildsheim brauchte, gönnte er sich einen weiteren Tag Reisepause. Er hörte sich in der Stadt nach den Elfen um und traf einige von ihnen sogar. Immerhin hatten sich auch welche in der Stadt nieder gelassen. Doch sie konnten (oder wollten?) ihm nicht helfen und warnten ihn davor, nicht nach Norden zu den Elfenwäldern zu reisen. Manchmal faselten sie für William auch unverständliches Zeug und machten vage Andeutungen, dass eine Pflanze auch ohne andere auf dem Feld blühen könnte, wenn nur ausreichend Sonne vorhanden wäre. Oder solche Sachen wie "Ein Reh muss alleine vor dem Jäger fliehen, um daraus Erfahrung fürs Leben gewinnen zu können!". Er hatte zwar Vermutungen, was sie ihm sagen wollten, doch hörte er nicht darauf. Er zog gen Norden.

Nach weiteren vier Tagen der unermüdlichen Reise erreichte er den Rand der Wälder, in dem die Hochelfen lebten. Doch diese bewachten ihr Reich mit Pfeil und Bogen und wollten ihm um nichts auf der Welt helfen, geschweige denn in ihr bewaldetes Reich lassen. Sie waren mehr als nur hochnäsig, wie er fand. Doch er erkannte auch, dass sie Angst hatten. Eine Angst, die sie ihn nicht offen zeigten, doch die so stark war, dass sie ihn lieber beim Sterben zusehen würden, als ihn in die Wälder gehen zu lassen. Er wollte nicht mit Gewalt in ihr Territorium eindringen, also musste er wohl aufgeben.

William brach zusammen. Er fiel auf die Knie und heulte aus Verzweiflung. Es kam ihm immer noch alles so unwirklich vor und selbst einige jüngste Erfahrungen der letzten Tage waren aus seinem Gedächtnis verschwunden. Er war müde und legte sich, mitten im Gras, schlafen. Da schlief er beinahe zwei Tage lang ohne viel Unterbrechung. Es kam ihn zumindest so vor, als wenn es zwei Tage waren, denn in der ersten Nacht beschnupperte ihn ein Wolf, der jedoch bald von ihm ab ließ. Am Tag sah er einige Elfen nach Süden vorüber ziehen. Sie vermieden es, ihn an zu sehen oder seine Fragen zu beantworten. Er schlief wieder ein und wachte zu Beginn eines neuen Morgens, an dem die Dunkelheit des Himmels langsam der Morgenröte wich, wieder auf. Er setzte sich auf, nahm ein großes Frühstück zu sich und überlegte, was er unternehmen sollte.

Er hatte noch eine Schriftrolle, die ein Portal zu einer anderen, interessanten Welt öffnete. Dort gab es auch einige mysteriöse Völker und ebenfalls Hochelfen. Vielleicht waren die Elfen dort kommunikativer, dachte er sich. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Elfen auf Fragen der Seele keine Antworten hatten und anderen die Hilfe verweigerten. Das widersprach einigen Prinzipien. Er verstand zwar, dass die im Norden des Kingdora-Kontinents nur ihr Reich gegen Fremde verteidigen wollten, doch irgendwo musste es einfach jemand geben, der ihm helfen konnte und wollte.


Erneut Fremde Welten / Tulonod

William reiste in der anderen Welt umher, traf verschiedene Völker und Elfen, doch niemand kannte eine Lösung oder die Natur seines Problems. Einige Menschen schienen ihm einreden zu wollen, dass er sich selbst so zerstört habe und langsam dem Wahnsinn verfalle. Doch das wollte William nicht hören. Das war absurd.

Auf seinen Reisen kam er zufällig auf eine andere Welt, um einen unsterblichen Krieger zu verfolgen. Dies tat er einerseits, um endlich zur vollen Kampfesstärke zurück zu gelangen und andererseits um sich zu prüfen. Würde er den Kampf gegen Tulonod dem dunklen (ein dummer Name wie William fand) bestehen, wäre seine unerschütterliche Hoffnung noch angebracht. Wenn er nicht gegen ihn bestehen würde... nun, dann müsste er sich keine Sorgen mehr machen. Er würde in Frieden ruhen....

Nach einigen Tagen stellte er Tulonod, der sehr erheblich daher schwallte, weil er sich dank seiner Unsterblichkeit überlegen fühlte. Doch musste er bald erkennen, dass William ebenfalls unsterblich war. Beide hatten nun ein Problem: sie konnten ihr Gegenüber nicht töten, da dieser nicht sterben konnte oder nach einigen Minuten wieder aufstand. Tulonod wusste auch nichts davon, dass man Leute wie William köpfen musste, um ihre Unsterblichkeit zu nehmen. William versuchte dies zwar bei Tulonod, doch wuchs diesem danach ein weiterer Kopf, was William über die Maßen verwunderte. Sie trennten sich mit dem Schwur der Rache.


Das "wilde" Volk

Bald erreichte William ein Volk, dass inmitten der Natur, ohne steinerne Häuser und ohne scheu vor wilden Tieren, lebten. Sie nannten sich das Volk der Lasornu. Ihre Länder waren gewaltig und ihr Leben in Eintracht mit der Natur sehr ungewöhnlich, da dieses Volk bereits vor Jahrhunderten Städte bewohnte. Doch sie verließen die Städte, um sich "negativen Zwängen zu entledigen", wie sie es nannten. Für sie waren moderne Zivilisationen in Städten der Anfang vom Ende des jeweiligen Volkes. "Aus Städten erwächst böses!" lautet eins von vielen ihrer Sprichworte.

Ihre Geschichten und Weisheiten interessierten William. Wie konnte ein Volk für Jahrhunderte in Städten leben und dann all das aufgeben und zum Leben in der Wildnis zurückkehren? Waren die Gründe wirklich die unzähligen Kämpfe und Kriege, die das Volk damals gegeneinander führte? Er sprach mit vielen von ihnen, als er ihre Länder bereiste.

Die Lasornu erkannten auch bald einen "einsamen, ruhelosen Wolf" in ihm. Er wusste nicht, was das genau bedeuten sollte. Ein Mann namens Luktork nahm ihn bald in eine Art Lehre auf. Er erklärte ihm, dass sie in der Natur für viele Zusammenhänge und Wesenheiten Ebenbilder erkennen konnten. Manchmal dauerte das Erkennen sehr lange, manchmal war es auf den ersten Blick möglich. Sie ordneten verschiedenen Dingen Metaphern oder Umschreibungen unter. Und William war eben ein unermüdlicher Reisender auf der Suche nach noch mehr Antworten, ganz egal wie viel er fand. Er würde mit einer inneren Unsicherheit oder Unruhe umher streifen, wie ein einsamer, vom Rudel getrennter Wolf. Beinahe rastlos und ruhelos.

Luktork unterrichtete William in verschiedenen körperlichen Übungen und Atemtechniken, damit er zu seinem inneren Gleichgewicht wieder zurück finden konnte. Dieser Prozess dauerte laut Luktork viel länger als gewöhnlich. William musste wohl sehr viel durch gemacht haben, schloss er. Und so erzählte William genauer von seinem Leben und mehr als zuvor, insbesondere von der Verschmelzung. Luktork zog andere des Volkes zu Rate. Sie setzten bald ein Trainingsprogramm für William zusammen, bei denen er mental und körperlich gefordert und gestärkt werden sollte. Man wollte ihn sogar zu verschiedenen Ruinen schicken, stets mit anderem Ziel zusätzlich zu dem übergeordnetem Ziel, William ein Teil ihrer Vergangenheit zu offenbaren und ihn zu erlauben, eigene Antworten auf seinen Reisen um die Welt zu finden. Sie bezeichneten es als persönlichen, spirituellen Pfad, den er bestreiten musste.

Er konnte ihre Schrift noch nicht richtig lesen, also fragte er erstaunt, ob der Trainingsplan wirklich für mehr als fünf Jahre ausgearbeitet war. Schließlich konnte er sich ja nur verlesen haben. Luktork lächelte und meinte, dass fünf Jahre im Leben, um sich selbst zu finden, eigentlich wenig wären. Und noch dazu hatte William viel hinter sich und war unsterblich. Demnach hatten sie den Lehrplan ein wenig intensiver und länger gestaltet. Er sollte den Strich mit den Punkten vor der Zahl fünf beachten, denn diese würde die Zahl verzehnfachen. William lachte. 50 Jahre? Das konnte doch nur ein Scherz sein. Es war jedoch keiner, wie er heraus fand. Er wunderte sich bald, da er schließlich bemerkte, wie sein Zustand sich bereits seit einigen Wochen besserte. Er behielt Dinge besser in Erinnerung, seine Wahrnehmung war nicht mehr getrübt und selbst alte Erinnerungslücken schlossen sich. Dabei war noch nicht einmal ein Jahr vergangen. Sollte er wirklich 50 Jahre trainieren? Vielleicht war es von dem Volk viel zu großzügig gemeint und er würde wirklich nur fünf Jahre brauchen...

Er lernte in den ersten Jahren, wie er seine Gedanken mental abschotten und wie er andere Gedanken wahrnehmen konnte, lernte Visionen zu bekommen, zu bewahren und zu durchwandern, lernte den Umgang mit Tieren und Pflanzen, lernte seine Gefühle vollständig zu unterdrücken oder fast zur unendlichen Stärke zu steigern, lernte die lautlose und beinahe gewaltfreie Jagd, lernte unmittelbare Gefahren voraus zu ahnen, erlangte die Fähigkeit extremer Kälte und Hitze zu widerstehen und er bekam eine Vorstellung davon, dass er alles erreichen wollte, wenn er nur ausreichend wollte. Da waren bald schon fünf Jahre vergangen und er erkannte, dass er vielleicht wirklich 50 Jahre üben und erleben musste. Dies wollte er mehr als alles andere, denn seit langem sah er endlich wieder einen Sinn in seinem Leben.

Bald sprach man ihn darauf an, dass meist mindestens ein Wolf des nachts über ihn wachte und ihn beschützte, wenn er in der Wildnis schlief. Man erkannte weitere Fähigkeiten in ihn und sah es nicht nur bestätigt, dass er ein "einsamer Wolf" war, sondern bescheinigte ihn, dass er zum Teil zu einem wurde oder zumindest in einem früheren Leben vielleicht ein Leitwolf gewesen war. Er versuchte daraufhin gezielt den Kontakt zu Wölfen zu suchen. Bald konnte er die Verhaltensmuster von ihnen imitieren, mit ihnen sprechen und jagen. Doch wollte er bald nicht mehr für die inzwischen über zehn Wölfe, die ihn ständig begleiteten, den Leitwolf spielen. Vor allem, da er auf seinen Reisen auch die Lasornu besuchen und an ihren Lehren teilhaben wollte. Und mit seinem Rudel gab es hin und wieder Ärger. Es viel ihm schwer, doch ernannte er einen der anderen Wölfe des Rudels zum Anführer und verließ das Rudel. Erneut bescheinigten einige ihm das, was man über ihn sagte: er war ein einsamer Wolf, getrennt vom Rudel auf Wanderschaft.

Er reiste, trainierte und lernte sehr viel in den kommenden Jahren und verbrachte insgesamt 42 Jahre bei dem Volk der Lasornu. Er bekam von Luktorks Sohn bescheinigt, dass er ein schneller Schüler war. Immerhin waren unter normalen Umständen für die Dinge, die William erfahren hatte, mindestens 50 Jahre nötig gewesen. Lokturk hatte er bereits vor vier Jahren begraben, denn Lokturk war an Altersschwäche gestorben, obwohl das Volk der Lasornu fast doppelt so alt werden konnte, wie die Menschen. Also verabschiedete er sich vor allem bei Lokturks Sohn, als er sich dazu entschloss, endlich wieder seine geliebte Heimat, sein Hochland, zu sehen. Er brach auf. Doch es kam anders, als er dachte...


Fürst Tulonod

William musste auf seinen Reisen zu einer "Stadt", die berühmt für ihre Magier und eigentlich ein großer, dicht von Lasornu bevölkerter Wald war, von einem gewissen Fürst der Finsternis erfahren. Eigentlich wollte William nur noch nach Hause, per Portal, von einem Magier erschaffen, direkt in sein geliebtes Hochland. Allerdings kam es nicht in Frage, einen "Fürst der Finsternis" unberührt zu lassen. Viele nannten sich solche und ähnliche Dinge, die William in seinem Leben einer gerechten Strafe zuführte oder dem von ihnen unterdrückten Volk auslieferte. So stellte er zunächst Nachforschungen an.

Es stellte sich heraus, dass dieser selbsternannte Fürst, der ein neues Reich auf der Grundlage von Schlachten und Rinnsalen von Blut gründete, Tulonod war. William verfluchte sich. Warum hatte er ihn nicht schon vor Jahren besiegen können?

Er infiltrierte ein Dorf innerhalb des Randgebietes von Tulonods Einfluss und bekam heraus, dass die Bevölkerung liebend gerne ihren Herrscher massakrieren würde. Doch dieser war umgeben von einem Dutzend der verrufendsten Gesetzeslosen, die je das Angesicht dieser Welt bereisten.

William machte gute Miene zum bösen Spiel und wurde Mitglied im weitesten Kreise des Herrschers. Er wurde ein „Vollstrecker des Dorfes“. Nicht zuletzt mittels Illusionen und Tricks ließ er es so aussehen, als ob er einige Personen der Bevölkerung des Dorfes einfach so oder weil sie gegen den Herrscher sprachen, hinrichten würde. Er wurde dafür von Grefendig, dem ruchlosen, in diese Position gehoben. Grefendig war einer der Dutzend Männer und Tulonod hatte den neuen Dorfvollstrecker (William) nie selbst gesehen.

Nach einiger Zeit konnte William es durch seine Taten und seine „Eilbriefe an den Herrscher“ veranlassen, dass der „Rat der Dreizehn“ einberufen wurde. Noch dazu im Dorf. Dabei ginge es um die Frage, ob das Dorf noch einen Nutzen für das neue Reich und für den selbsternannten Fürst der Finsternis darstellte, oder ob es zukünftig ein abschreckendes Beispiel für alle anderen Städte und Dörfer darstellen sollte.

Zugegeben pokerte William bei diesem Unterfangen hoch, schließlich stellte er das Volk beim Fürst unter Generalverdacht, wertlos oder gar schwierig zu sein. Doch die „unklugen, dreckigen Dreizehn“, wie William sie insgeheim nannte, versammelten sich tatsächlich an einem Tag. Sie kamen ins Dorf gereist und suchten ihren Dorfvollstrecker, um ihn an zu hören. Doch da er zunächst nicht gefunden wurde, quartierten sie sich im besten Gasthaus ein und suchten ihn anschließend.

Sie sahen dann eine riesige Meute von Wölfen um das Dorf herum ziehen, die keinen heraus ließen. Die Wölfe bellten und knurrten besonders aggressiv, wenn einer der Dreizehn ihnen nahe kam. Der Herrscher dachte schon bald daran, dass es eine Falle war, und wollte einen der Dorfbevölkerung hinrichten, damit die anderen Angst bekamen und gestanden, wer ihnen das einbrockte. Im Moment, als Fürst Tulonod einen Dorfbewohner köpfen wollte, verschwand dieser spurlos, löste sich regelrecht in Luft auf. Das passierte ebenfalls mit dem nächsten, den Tulonod hinrichten wollte. Und mit den darauf folgenden, die von allen dreizehn Männern attackiert wurden.

Lächelnd schlenderte William unbekümmert durch die Reihen der Wölfe ins Dorf hinein. Ab und zu heulte ein Wolf auf, wie als wolle er alle in der Nähe darauf hinweisen, dass William kam. Als wäre dieser Hochländer der Mond, den der Wolf sonst anheulte. Die zwölf Männer erschauderten, als die aggressiven Tiere zusammen mit dem angeblichen Dorfvollstrecker näher kamen. Nur Tulonod schaute verhasst direkt William entgegen.

„Na? Hier sind wir wieder! Willst du deine Rache haben? Immerhin hast du sie mir geschworen!“ begrüßte William ihn provozierend. Es stellte sich bald heraus, dass Tulonod lange auf diese Gelegenheit wartete und wusste, dass er William köpfen musste. Während die anderen Männer von den Wölfen bewacht wurden, duellierten sich die beiden. Tulonod hieb oft in die Richtung von Williams Hals. Zu oft, wie der Hochländer fand.

Doch dieser hatte im Verlauf des Kampfes selbst einen Plan erdacht. Er betrachtete es wie als wäre der Fürst eine Pflanze: wenn sie immer wieder aus dem Boden wuchs, egal wie viel man ihr abhackte oder entriss, musste man sie vollständig samt Wurzel verbrennen. Bevor Tulonod es erkennen und richtig einschätzen konnte, hatte William während des Kampfes ein magisches Feld destruktiver Energie erschaffen, in das er den Herrscher bugsierte. Er brauchte eine Weile und hatte ihn schließlich ins Feld gelotst. Da entlud sich die Magie in ohrenbetäubender Weise. Der Fürst verbrannte binnen Sekunden in einem Feuer, das aus zahlreichen roten und purpurnen Farbtönen bestand. Nur ein Haufen Asche blieb übrig.

Danach stellte William die Zwölf vor die Wahl, sich mit ihm zu duellieren oder ihre Taten durch aktive und lebenslange Arbeit bei der Bevölkerung wieder gut zu machen. Die meisten entschieden sich zum Duell. Doch bereits innerhalb des ersten Duells gegen Grefendig wollten sich die anderen aus dem Staub machen. Sie töteten einige Wölfe, um entkommen zu können. Die Wölfe hatten Spaß dabei, die sich selbst überschätzenden Menschen im Laufen einzuholen, gegen sie zu kämpfen, sie zu zerreißen und zu verspeisen. Nach Williams gewöhnlichem Duellsieg ohne Magie gegen Grefendig musste er einige Rudelkämpfe der wilden Tiere unterbinden und die Reste der zwölf Verbrecher gerecht unter den Wölfen verteilen. Außerdem sollte kein Wolf, der bereits zu viel gefressen hatte, noch mehr bekommen. Harte Arbeit…

Die illusionären und geistesverwirrenden Tricks, die die Dorfbewohner vor Fremden beschützten, wurden von William aufgelöst und er verließ, ohne auf Lob oder Anerkennung zu warten, die Gegend.


Heimat?

William kam endlich in der Magierstadt Qualantrupor an, wo er den immens hohen Preis an einen Magier zahlen musste, um wieder zurück auf Mar zu gelangen. Der Magier verteidigte seinen Preis damit, dass es fast einen halben Tag dauerte, er derweil so viele andere Zauber bewerkstelligen konnte, die Berechnung des Austrittspunktes in dieser anderen Welt etwas schwierig war und überhaupt usw.!

Als William auf Mar materialisierte, befand er sich zunächst in einem Wald. Bald erkannte er den Wald... und verfluchte den Magier von Qualantrupor. Er war nicht im Hochland gelandet, nicht mal auf denselben Kontinent. Er war im Königreich Kingdora, auf dem Kontinent, vor er bereits vor Jahren verzweifelt nach Antworten suchte... und sie nicht fand.

Doch er besann sich seiner Weisheit und seiner Ausbildung der letzten Jahrzehnte. Er durfte den Kontinent und die Völker, die auf ihm lebten, nicht einfach hassen. Der Kontinent konnte nichts dafür, dass William Antworten in all den falschen Plätzen auf ihn suchte.

Also begann er in Ruhe und bei klarem Verstand das Königreich erneut zu bereisen und ganz von vorne zu entdecken.


Börnstahl

Nach einigen Wochen erlangte er Kenntnis über die Geschichten eines neuen Stahls. Dieser war schwarz wie die Nacht und Waffen sowie Werkzeuge, die daraus geschmiedet wurden, waren effektiver, etwas leichter und konnten sogar Magie ein wenig besser speichern als andere Waffen. Deswegen waren sie auch viel teurer.

Er beschloss auf die "Börn-Insel" zu reisen, wo vor kurzer Zeit ein gewisser Robert Börn seine Prunkburg errichtete und den Stahl und seine Verbreitung förderte.

Das Börnsland betrat er im Norden nach wochenlanger Seefahrt. Es wurde eine Hafenstadt ausgebaut und viele Arbeiter wurden gesucht. Die Bewohner wollten die Stadt größer machen, als die Hafenstadt im Süden. Doch William interessierte sich mehr für das Schloss des Königs. Er reiste ins Landesinnere.

Nach einiger Zeit kam er in der Hauptstadt Börnsted an. Irgendwie wirkte alles auf der Insel relativ schnell errichtet und die Namensgebung war auch ein wenig einfältig, wie er fand. Nichts desto trotz leisteten die Einwohner gute Arbeit beim Ausbau der Hauptstadt.

Ja, sogar die Prunkburg, oder das Schloss wie es manche nannten, wurde in einigen Teilen noch fertig gebaut. Robert Börn schien vor ein paar Jahren wie aus dem nichts dieses Börnstahl mit seinen Reisegefährten gefunden zu haben. Außerdem war er ein spontaner Entscheider, der nicht nur deswegen von seinem Volk zum König ernannt wurde.

Überleben im Dunkeln

William kam zur Burg und wollte direkt die Herausforderung annehmen, von der er hörte. Es ging dabei um ein Labyrinth voller menschenfeindlicher Flora und Fauna, in dem Helden bis zu eine Woche überlebten und durch ein anderes Ende als dem Eingang wieder hinaus gelangen sollten. Es gab auch ein Preisgeld von lächerlichen 1.000 Goldstücken pro Tag und einen Ehrentitel "Überlebender des Börnlabyrinths über X Tage". William wechselte einige Worte mit König Robert Börns und machte sich ohne weitere Umschweife auf den Weg ins Labyrinth, wohin Robert ihn begleitete. Für Robert war er nur ein weiterer Freiwilliger, bei dem es fraglich war, ob er überleben würde. Und ein Wahnsinniger, da William keinerlei Proviant mitnehmen wollte. Er meinte dazu, dass es mit Proviant keine Herausforderung wäre. Außerdem gäbe es ja auch Tiere und Pflanzen, die man zubereiten könnte. Kopfschüttelnd sah Robert William hinein gehen... und rechnete mit seinem Tod.

Nach über einer Woche, in dem William alles Mögliche an Monstern besiegte und sich über die Herkunft dieser so seine Gedanken machte, begann er sich zu langweilen. Er beschloss nur zwei Wochen in der ungastlichen Umgebung zu verbringen und kam aus dem Labyrinth der Monster nach genau zwei Wochen heraus. Damit überraschte er alle, ganz besonders Robert. Immerhin hielt Robert selbst den Rekord von acht Tagen und über 30 Monstern, die er dort besiegt hatte. William behauptete sogar, etwas über 50 Gegner besiegt zu haben. Als Robert ihn schon auslachen wollte, holte William Beweise aus seinem nimmersatten Beutel, die immerhin 52 Gegner bestätigten. Robert traute seinen Augen und Ohren nicht. Beinahe sein ganzer Bestand an Gegnern im Labyrinth war von dem Hochländer ausgerottet worden.

Das Gewölbe wurde zunächst gesperrt und William bekam die höchste Auszeichnung, die jemals ein Überlebender bekam. Angeblich soll der Rekord noch heute bestehen.


Ausbildungen

Da auf der Insel Gardisten und Krieger gesucht waren, gab es auch ein begründetes Interesse von Robert, Rekruten selbst aus zu bilden. William half ihm dabei. Jedoch musste er bald erkennen, dass er sie nur in mündlicher Form ausbilden konnte, denn in praktischer Weise verletzte er sie zu sehr und verlangte zu viel. Also sprachen die beiden ab, dass Robert selbst ein wenig von William lernen sollte. Sie wurden gute Freunde und William ließ Robert auch an seiner Weisheit teilhaben. Einiges konnte Robert ihn auch lehren, vor allem über Robert selbst und seine Geschichte. William bekam von ihm dabei irgendwann erklärt, wie es zur Entdeckung des Börnstahls kam.

Monatelang wuchs jedoch die Erkenntnis in William, dass er Robert kaum noch was lehren konnte und auch die Ausbildungen der Rekruten gut vorankamen. Das Labyrinth hatten sie auch wieder gut mit Tieren und Untieren gefüllt und sogar in der Größe verdoppelt. William wollte nun endlich wirklich ins Hochland zurück.

Er bildete Robert noch für eine Woche weiter im Kampf aus und wollte dann gehen. Allerdings tötete er Robert aus Versehen im Trainingskampf. Er machte das Versehen rückgängig und entschuldigte sich bei Robert, dass er sich nicht weiter zurück nehmen konnte. Sie redeten für den Rest des Tages friedlich zusammen und vor allem Robert wollte die Angelegenheit vergessen und William zum Bleiben bewegen. Doch dieser zog sich wieder einmal in sich zurück und ging am nächsten Tag. Vor allem aus Angst, Robert einmal wirklich unwiderruflich um zu bringen. Er war nicht wie andere, musste er sich abermals eingestehen. Und das erforderte von ihm höchste Rücksicht, Vorsicht und Weitsicht. Dinge, die William sich selbst zwar zugestand, doch wenn da nicht die Emotionen und die Angst waren. Er, der einsame Wolf, nahm das nächste Schiff zum Land der Wikinger, von wo er, gen Süden, zu seinem geliebten Hochland reiste.


Erneute Rückkehr ins Hochland

Nach einer wochenlangen Reise durch das Reich der Wikinger, in der William für ihn kleinere Abenteuer bewältigte, kam er endlich wieder zu seinem Hochland. Zuerst erreichte er zu Fuße des Hochlandes die Stadt Broban, die seit ihrem Aufbau vor allem von Hochländern, einigen Barbaren und sogar durch einige Wikinger Zuwachs bekam. Er staunte nicht schlecht darüber, wie groß die Stadt bereits geworden war.

Je weiter er jedoch ins Hochland hinein reiste, desto stärker umklammerte ihn eine Art Trostlosigkeit. Dieses Land, schon bei seiner ersten Rückkehr fremd für ihn geworden, war ganz und gar nicht mehr das, was es einst bedeutete. Vielleicht übertrieb seine Erinnerung ein wenig, doch das Hochland sah seiner Meinung nach ein wenig herunter gekommen aus. Die Städte waren größer geworden, Stadtmauern mussten ausgeweitet oder versetzt werden, Gardisten patrouillierten nun sogar tagsüber in Paaren die Innenstädte und Schlägereien waren beinahe an der Tagesordnung. Obschon sich einige Einheimische von ihrem Hochland abgesetzt hatten, um auf Reisen zu gehen oder derartiges, gab es jedoch hier und da neue Einwohner anderer Länder, die Geschäfte und Läden eröffnete oder ihr Handwerk im Hochland verkauften. Sogar einige zwergische Schmiede gab es nun im Land.

Zu allem Überdruss kam dazu, dass die Arbeitslosigkeit fast im ähnlichen Ausmaß stieg, wie die Zahl der Einwohner. Es war wohl nur den Königen der letzten Jahrzehnte zu verdanken, dass sich kein Armenviertel bildete und nur hier und da ein Bettler auf den Straßen war. Oder eine sehr gut organisierte Untergrundbewegung, mutmaßte William.

Der Einfluss der Clans war beinahe auf dem Nullpunkt. Sein eigener Clan, der Clan der O'Neil, war mittlerweile untergegangen. Es gab weniger Nachkommen des Clans, als William an einer Hand abzählen konnte. Überdies erinnerten sie sich alle nicht an einen "William" ihres Clans. Er war also sogar in seiner Familie vergessen worden. Die Schuld daran gab er sich zum Teil selbst. Hatten seine Clanverwandten nicht schon vor Jahrhunderten gemeint, dass er sich nicht mehr um seinen Clan scherte? Hatten sie ihm nicht gesagt, er solle sich lieber um seinesgleichen kümmern, anstatt mit den Gedanken in den Wolken oder bei fremden Völkern zu verweilen?

Aber er wusste ja nicht einmal, wie er das machen sollte. Damals zumindest. Immerhin wollten die meisten mit ihm nichts zu tun haben oder betrachteten ihn als schwarzes Schaf oder Versager. Es war ihnen damals ganz recht, dass er das Hochland verlies. Ihm auch. Und dann war da noch die Erkenntnis, dass er mit der Frau, die er liebte, keinen Nachwuchs zeugen konnte. Nunja, sie, die eine Barbarin war, wäre eh nicht von seinem Clan akzeptiert worden, dachte er bitter.

Hier war er nun. Er lebte bereits seit mehr als drei Jahrhunderten, mehr als sich manch einer erträumen konnte, und wusste nichts weiter mit seiner Unsterblichkeit anzufangen. Warum musste ausgerechnet er unsterblich sein? So viele Menschen würden beinahe alles darum geben und lebten doch nur ihre normale Zeitspanne eines Menschen. Es war eine Ironie des Schicksals, dass er mehrere Menschenleben lang lebte, viel zu viele Dinge sah und dennoch nicht wusste, was er mit sich anfangen sollte. Es war, als hätte ihn die Hoffnung verlassen. Als würde sein Leben nichts mehr zählen. Warum konnte er die Unsterblichkeit nicht zurückgeben? Oder sie nicht jemand anderes schenken?


Reisen im Hochland

Er unternahm einige Reisen im Hochland, um über einen neuen Lebensweg, einem Sinn, nach zu denken. Er erforschte die Berge und Wälder und kam schließlich, am Rande des Bereiches in dem der normale Wald in den toten Wald überging, zu einem bewaldetem Gebirge. Er sah einen Wasserfall in einiger Höhe. Dies musste demnach die Quelle des Argalian Rivers sein, des Flusses der drei mal drei Flussarme. Er fragte sich, wie so eine Quelle in einem Berg aussah. Mehr aus Neugier und selbstlosen Tatendrang, als aus Mut, kletterte er zum Wasserfall empor. Es war eine schwierige Unternehmung und mehr als einmal stürzte er ab und wachte nur dank seiner Unsterblichkeit wieder auf.

Er folgte einem Tunnel, der über die Hälfte nur mit Wasser gefüllt war. Die Strömung drohte ihn mitzureißen, ihn zu verschlingen und den Wasserfall hinab zu schmeißen, doch er schaffte es mit hartem, verbittertem Einsatz. Manchmal kam er nur einen Schritt voran, nur um gleich wieder zwei Schritte zurück zu gehen, doch stemmte er sich dem Wasser entgegen, ging seitwärts an Felsvorsprüngen oder schmalen Wegen entlang oder klammerte sich an hervorstehenden Gesteinen oder Ecken. Es war eine harte Tortur, die er wohl nur mit seiner über die Jahrhunderte gesammelten Stärke und seinem Geschick meisterte. Zunächst ruhte er sich ein wenig in einer kleinen Nebenhöhle aus, aß und trank etwas aus seinem Proviant, dass zum Glück in seinem Nimmersatten Beutel nicht zu Schaden kam, und schlief vor Erschöpfung tief und fest.

William konnte nicht sagen, wie lange er schlief. Er wusste nur, als er aufwachte, dass er weiter in das Gebirge wollte. Es war heiß und stickig, als er eine Höhle fand, die weiter nach unten führte. Die Wände waren nicht nur von Feuchte überzogen, sondern rann oftmals auch Wasser an ihnen entlang und sammelte sich in kleinen Bächen zu seinen Füßen oder versickerte im Boden, um woanders durch das Gestein zu gelangen.

Schließlich gelangte er, nach etwa einer Tagesreise unter Tage, zu einer größeren, ovalförmigen Höhle. In der Mitte dieser Höhle war eine über drei Meter hohe, schwarze Statue einer menschenähnlichen Figur aus Gestein die vor einem länglichen See stand, der beinahe die gesamte Breite der Höhle einnahm. William fand dies höchst mysteriös. Wer hatte hier eine Statue errichtet? Und zu welchem Zweck? Er besah sich den See, konnte jedoch nichts darin erkennen. Der See, der keinerlei Geruch absonderte, schien selbst das Licht seiner Lampe zu schlucken oder aus nichts als Schwärze zu bestehen.


Der Wächter

William, der einen hölzernen Becher zum See hinab lassen wollte, um etwas von der Flüssigkeit untersuchen zu können, hörte auf einmal eine laute Stimme, die ihm Einhalt gebot. Erschrocken blickte er sich um, sah jedoch niemanden. Hatte sich die Statue bewegt? Er begutachtete neugierig etwas genauer die Statue… deren Kopf sich plötzlich so bewegte, als würde ein Mensch auf ihn hinab schauen.

„Wer bist du?“ fragte diese. William fragte unsicher: „Warum? Wer bist du denn?“. Er wollte sich nicht von einem Magier oder einem Golem in die Irre führen lassen. Die Statue lachte. „Um das zu erfahren, musst du viel Geduld haben und lange zuhören können. Doch selbst dann wirst du mein Wesen wohl nicht vollkommen begreifen können!“ meinte die Statue. Also setzte sich William, der eh nichts Besseres zu tun hatte, zu ihren Füßen und tat so, als wollte er seine Ohren mit den Händen vergrößern. Belustigt begann die ungewöhnliche Statue eine Unterhaltung mit ihm.

Im Verlaufe der Unterhaltung lernte William, dass die Statue eine Art weltliches Ebenbild eines sehr alten und beinahe vergessenen Gottes war. Er war angeblich ein Gott der Hochländer namens „der Wächter“, der die Welt in einer Waagschale aus Gut und Böse hielt, damit diese nicht zu Extremen wurde und äußere oder innere Einflüsse ihre Stabilität nicht umkehren konnte. Die Prinzipien, die dahinter standen, begriff William nur mit der Zeit. Das Tun und Wirken des Gottes, so erfuhr William, führte irgendwann einmal dazu, dass sich Unsterbliche Hochländer jagten und töteten. Somit war dieser Gott auch für den „heiligen Krieg“ der Clans vor über einem Jahrtausend verantwortlich.

Bei den Göttern gab es eine Art Rat oder höhere Macht, was William nicht ganz begreifen konnte. Diese Macht hatte den Wächter in eine Art Exil geführt oder ihn zumindest hart bestraft. War der Wächter zuvor immer für ein Gleichgewicht der Kräfte und einer Harmonie aus Bösem und Guten, aus Positiv und Negativ, eingetreten, glichen die Taten der irdischen Schützlinge des Wächters als „aus dem Ruder gelaufen“. Der Wächter ging, schlicht gesagt, zu weit. Seine Anhänger metzelten sich ab um einen König zu bestimmen. Ihm wurde ein Großteil seiner Macht genommen, beinahe alles, und er musste seine Existenz in Dunkelheit und im Vergessen weiter führen.

Das einzige, was dem Wächter blieb, waren der schwarze See und die Statue, beides durchdrungen von seiner Macht. Der See konnte Kranke und Verletzte heilen. Doch schärfte der Wächter William ein, dass niemand in den See hinein springen oder herabgelassen werden durfte. Nur Becher oder Eimer konnten herab gelassen werden, um einen Teil der Flüssigkeit des Sees hinauf zu holen. William tat dies und holte mit seinem Becher etwas von dem Wasser und trank es zugleich. Es war ihm, als hätte er von einem Quell der Lebensfreude getrunken und er fühlte sich ausgeschlafen und erfrischt wie nie zuvor. Alle Schrammen seines Bergabenteuers waren verschwunden.

Doch noch immer war er nicht vollständig davon überzeugt worden, dass wirklich ein Gott mit ihm sprach. Immerhin konnten manche William selbst für einen Gott halten, aufgrund der Kenntnisse und Fähigkeiten, die er erlangte oder aufgrund seiner Unsterblichkeit. Also führte er weitere Gespräche mit der Statue, die von sich behauptete, ein Gott zu sein. Umso überraschter war er, als dieser Gott ihn von allem berichten konnte, was seit Jahrhunderten im Hochland vorging. Er wusste sogar Dinge, über William, seinem Clan oder anderes, die wirklich nur ein Gott wissen konnte.

Und so wurde William zum Hochgeweihten des beinahe vergessenen Gottes und hatte ein neues Lebensziel: die Ziele des Wächters im Sinne der Hochländer und aller Menschen zu erreichen und eine gesunden Mitte aus Gut und Böse zu bewirken. Damit die Welt in der Waagschale blieb und nicht außer Kontrolle geriet.


Die Aufträge eines Gottes

Von nun an hatte William wieder ein Ziel in seinem Leben. Er wurde der erste Hochgeweihte des Wächters seit etwa 1.000 Jahren, sammelte Wissen über ihn und las viele Bücher, die auch nur den kleinsten Teil eines Hinweises auf einen Gott der Hochländer oder auf einen Wächter oder dergleichen bieten konnten.

Diese Bücher hatte er größtenteils vor unzähligen Jahren bereits gelesen, doch waren die Hinweise auf dieses mystische Wesen namens Wächter und weitere bruchstückhafte Andeutungen an ihm vorbei gegangen. Er konnte damals nichts damit anfangen, da er nichts von der tatsächlichen Existenz dessen wusste. Ein „Herr der Waagschale“ oder „der dunkle Bewacher“ hielt er damals für einen Kämpfer oder Magier und dergleichen. Also las er die Texte erneut, reiste im Hochland von einer Stadt zur anderen, studierte den Inhalt von Bibliotheken und privaten Buchsammlungen usw. und so fort.

Zwischenzeitlich unterhielt er sich öfter mit seinem Gott, der mit ihm im geistigen Kontakt stand, über die Inhalte und Hinweise der Texte. Doch der Wächter wollte, dass William von ganz allein das Wissen auf arbeitete und Schlüsse zog. Nur, wenn er allzu weit von der Wirklichkeit abschweifte, gab sein Gott ihm etwas Neues zu Bedenken oder ließ sich gar auf ein Streitgespräch ein.

Außerdem sollte William andere Unsterbliche ausmachen, die sich vielleicht als Kleriker, Geweihte oder Krieger des Gottes erweisen würden. Doch fast alle waren davon überzeugt, dass es keinen Gott der Hochländer gibt und auch nie gab. Ganz zum Verdruss von William, der die Puzzleteile langsam zu einem Bild des Gottes zusammenfügen konnte. Oder gleich mehrere Bilder, um genau zu sein. Der Rest der Personen, die er begegnete, reagierte auf ihn mit Feindschaft oder Unglauben, sobald er Geschichten über den Gott von sich gab.

Und so sammelte er weitere Beweise, die, für sich allein genommen, leider keine waren. William kam sich vor, wie bei den Lasornu, als er 42 Jahre lang unter anderem Wissen sammelte und ihre Länder erforschte. Er fragte sich, wer dies alles erlebt hätte, wenn er nicht gewesen sei. Wohl keiner, also konnte er froh darüber sein, unter anderem sogar einem vergessenen Gott helfen zu können.


Eine gute Heldengruppe

Schließlich, Jahre nach Beginn seines neuen Lebens als Hochgeweihter, wurde er vom Wächter auf die Insel Thuhla geschickt. Aus mehreren Gründen. Zum einen sollte dort eine "gute Gruppe" auf sich aufmerksam gemacht haben, die mehr als nur normale Kräfte oder Zauber besaßen. Zum anderen wusste der Wächter von einer Gefahr zu berichten, die zum Ende der Welt führen konnte. Eine epische Schlacht, deren Ausgang unbestimmt war und im Strudel der Zeit stets unterschiedliche Formen annahm. Dämonen drohten damit, das Gleichgewicht der Welt zu ihrem Vorteil zu kippen, so dass kein normales Leben mehr möglich wäre. Verdorbenes, unheiliges Land, nur von Dämonen und Untoten bewohnbar, würde sich innerhalb von Tagen über alle Länder und Inseln erstrecken, beginnend im Königreich Borburad.

Die Reisegruppe selbst, die in der Nähe von Duviks Pass nach dem Rechten sah, war recht ungewöhnlich. William fragte sich, ob diese Gruppe wirklich helfen konnte, das Ende der Welt zu verhindern. Er stellte sich ganz offen der Gruppe vor, erzählte vom Gott und demonstrierte ein wenig seine Kräfte, nachdem er von einer ungläubigen, anmaßenden Elfe herausgefordert wurde. Und vielleicht war dies die Veranlassung dazu, dass ein gewisser Mensch namens "Tales die Axt" Interesse daran fand, einem vergessenen Gott als den seinen anzunehmen. Tales schien selbst ein inneres Gleichgewicht zu suchen und fand die Theologie des Wächters als einleuchtend.


Prüfungen

Tales und dessen Heldengruppe wurden vom Wächter ins Hochland geschickt. Sie sollten sich dort um einige Belange kümmern, als eine Art Prüfung. Diese Belange beinhalteten unter anderem das Besiegen von ein paar Unsterblichen Wesen, die nach Lust und Laune das Land zwischen den Städten terrorisierten. Überdies wollten sie in Thareg diverse Gebäude brennen sehen. Zum Glück kam es nicht dazu. Der Wächter sagte zunächst selbst William nichts darüber, was genau diese Prüfung enthielt und welches Ergebnis der Wächter wünschte.

Letztendlich wurde Tales zweiter Hochgeweihter des Gottes, nachdem er mehrere Prüfungen vom Wächter und von William erfolgreich hinter sich brachte. Der Rest der Gruppe wollte unverzüglich zurück auf Thuhla, um weiter reisen zu können. Sie gaben das Versprechen, bei der kommenden Schlacht ihren Teil bei zu tragen.

Unterdessen erlangte ein Barbar namens Argor die Aufmerksamkeit des Wächters. Er kam vom Land der Barbaren und wollte sich den Ideologien des Barbarengottes Barbarion und gleichzeitig denen des Wächters anschließen. Grundsätzlich stand dem nichts im Wege, war Barbarion doch auch wie der Wächter ein neutraler Gott. So wurde auch Argor von William in Augenschein genommen. Nach einigen Gesprächen wurde Argor schließlich geprüft und, nach erfolgreichem Bestehen der ihm gestellten Aufgaben, zum dritten Hochgeweihten des Wächters und zugleich zu dessen Kriegsführer ernannt.

Tales sowie dessen Gruppe und Argor trafen schließlich im Hochland aufeinander, als sie gegen die Unsterblichen in Thareg kämpften. Zu dieser Zeit spielte Tales mit dem Gedanken, eine Art Tempel und einen Orden zu Ehren des Wächters im Hochland mit William zu gründen. Das führte über kurz oder lang dazu, dass Argor mit der Heldengruppe zurück nach Thuhla ging und Tales sein Ziel mit Unterstützung von William in der Hauptstadt der Hochländer namens Argalia in die Tat umsetzte. Kurz danach fand die Schlacht mit ihnen allen in der Nähe der Stadt Anderstedt statt (Anmerkung: siehe Eintrag zur Schlacht im Artikel Borburad).

Tales und William gelangten nach der Schlacht ins Hochland zurück und kümmerten sich weiter um den Orden. Sie erhielten sogar Unterstützung durch einen ungewöhnlichen Halbling mit Namen „Rosco Schnellhand“. Der Wächter selbst hatte ihn auserwählt, da dieser Schurke dem Orden zu Diensten sein konnte.

Rosco selbst hatte jedoch nie die Botschaften, gesendeten Träume und Zeichen des Gottes deuten können, da er nicht an einen Gott glaubte. Dennoch brachten dessen ungewöhnliche Ideen, die oft auch für Tales Anlass zu einem Streitgespräch zwischen ihm, Rosco und William waren, eine Bereicherung in den neu gegründeten Orden.


Hoch lebe der König

Auf einer Bekanntmachung im Anwesen des Ordens, nur wenige Tage nach dessen Fertigstellung, forderte William den König des Hochlandes heraus. Er erhielt von seiner Gottheit den Segen dazu. William, früher nie Willens dazu über sein eigenes Land zu herrschen und diese enorme Verantwortung zu übernehmen, fühlte sich jetzt dazu imstande. Er wusste nicht, ob er ein guter oder erfolgreicher König werden könnte, doch wenn nicht er, wer dann?

Der König namens Jerry McKenzie (Anmerkung: siehe den Artikel Hochland) nahm die Herausforderung an. So kam es, dass die beiden im Hofe des Königsschlosses, nur umgeben von einer kleinen Gruppe eingeweihter Schaulustiger, den Kampf auf Leben und Tod führten. Fast zehn Minuten dauerte der harte Kampf dieser beinahe ebenbürtigen Gegner. Am Ende siegte William knapp, jedoch erfolgreich, und wurde somit zum neuen König des Hochlandes.

Nach seiner Behandlung durch die königlichen Heilkundigen nahm er die traditionelle Reise des neuen Königs durch die Hauptstadt zum Anlass, um den Bürgern auf dem Marktplatz bessere Zeiten zu versprechen und ihnen zu versichern, dass ihre Anliegen ebenfalls die seine waren. Er würde das Land zu neuer Glorie verhelfen und hoffte auf die Unterstützung der Bürger.

Seit der Zeit hielt sich William vor allem im Schloss auf und beriet sich mit den Mitgliedern des Ordens des Wächters über Pläne, Ziele und wichtigen Gegebenheiten. Dabei kamen sie zu den Schluss, dass sie am besten ein Buch über den Wächter veröffentlichen sollten, unterstützt durch kleine Handzettel mit den wichtigsten Informationen. Immerhin, so Rosco, sei nicht jeder dazu fähig, zu lesen. Und selbst die, die es waren, wollten nicht erst ein ellenlanges Buch lesen müssen, um zu erfahren, wer der Wächter eigentlich war.

William nahm sich ebenfalls vor, eine Art von Lehrgängen zu entwickeln. Sozusagen Schule für Erwachsene und Kinder zur Aufklärung über das Wesen des Gottes. Diverse andere Probleme bereiteten ihn ebenfalls einiges an Kopfzerbrechen, so z. B. der Angriff einer Orkhorde auf die Stadt Broban, die unterhalb des Hochlandes war und von Hochländern und William persönlich vor unzähligen Jahren gebaut wurde (siehe William#Lange Reisen auf dem Barbaren-Kontinent).

Nach ihrem Sieg über die Einwohner von Broban wurden die Orks, die sich in der Stadt niedergelassen hatten, von Barbaren angegriffen. Wenn die Barbaren die Stadt von den Orks erobern würden, so wusste William, würden sie diese als ihr rechtmäßiges Eigentum ansehen. So seltsam es war, aber William konnte nur hoffen, dass die Orks die Schlacht gewannen...


Broban und Barbaren

Am Ende hatten sich die Kämpfenden in Broban gegenseitig abgemetzelt. Weder Orks noch Barbaren konnten im Verlauf der Kämpfe die Oberhand gewinnen. In der halb zerstörten Stadt lagen hunderte Leichen und der Boden war getränkt von Blut.

König William wusste nicht, was er tun sollte. Eine ganze Stadt mitsamt Bewohner war einfach so ausgelöscht worden. Und trotz der tapferen Versuche der Barbaren, die Orks zu besiegen oder zumindest zu vertreiben, weilten auch diese nun unter den Toten.

Ein paar Tage später besuchte er den König der Barbaren. Er führte mit ihm einige diplomatische Gespräche und knüpfte neue Kontakte für das Hochland. Dann sprach William davon, dass er eine Stadt verlor. Es sei etwas Fürchterliches passiert, da dort nicht nur die Leichen der Einwohner sondern auch derer von Orks und Barbaren lagen. Der König offenbarte, dass einige Barbaren von den Orks hörten und versuchten, diese zu vernichten. Doch William berichtete vom Niedergang der Stadt und wie es dort aussah.

Darauf aufbauend erklärte William, dass die Hochländer gerade damit begonnen hatten, Pläne zur Befestigung des Berghangs und dem Bau von Unterkünften für Soldaten und Ritter zu schmieden, damit das Tal von den Hochländern besser eingesehen werden konnte. Somit würde zukünftig, wenn der lange Bau der vielen Mauern, Wehrgänge und Gebäude erst einmal abgeschlossen war, nicht erneut so etwas passieren. Außerdem erzählte er davon, dass William in dem Gebiet eine neue Handelsstadt aufbauen wolle.

Der König der Barbaren fragte nach der Stadt Broban. Würde sie nicht wieder aufgebaut werden? William erklärte, dass er die Stadt und das Land darunter aufgrund der großen, tapferen Barbarenkrieger, die ihr Leben für die Hochländer gaben, den Barbaren schenken wollte. Sie könnten ihr Reich bis zur Stadt erweitern und ein Mahnmal nach ihren Vorstellungen zu Ehren der mutigen Krieger errichten. Zusätzlich würden die Hochländer auf dieses Mahnmal, oder auf die Stadt, falls der König der Barbaren den Bau einer solchen anstrebte, ein Auge werfen, damit es nicht erneut von Orks überrannt werden könnte. Der Barbarenkönig bedankte sich für das großzügige Angebot.

Nach etwa einem halben Tag kam William zurück ins Hochland, um sich weiteren Problemen seines Landes zu kümmern. Herrscher zu sein war wahrlich nicht einfach…


Jüngste Vergangenheit und Abdankung König Williams

König William ordnete massive Arbeiten am langen und gefährlichen Hang des Hochlandes an, damit Mauern, Kasernen und Türme errichtet werden können. Er verkündete stolz, dass es Zeit für Reformen sei. Die Hochländer bekämen mehr Militärschulen, die zukünftig auch von Privatpersonen des Hochlandes genutzt werden können. Bislang waren sie nur für das Militär des Herrschers nutzbar. Außerdem, so König William, würden die Methoden wie auch die Ausbildung an sich erneuert und modernisiert werden. Ein weiterer Punkt seiner Verkündung stellte den Tourismus dar. In den letzten Jahrzehnten sind kaum Reisende ins Hochland gelangt. Vor allem wegen den vormals fehlenden Wegen für große Wagen und Kolonnen. Doch mit dem Ausbau des Hangs wäre in dieser Hinsicht Besserung in Sicht. Würde nur noch eine Modernisierung der vorhandenen Herbergen, Gaststätten und Hotels fehlen. Als weitere Maßnahmen zur Förderung des Tourismus wären weitere Treffpunkte und ungewöhnliche Bauwerke. Zukünftig soll es auch eine "Fremdenlegion" im Hochland geben. darin sollen Angehörige fremder Völker mindestens fünf Jahre lang dem Hochland und seinem Herrscher die Treue schwören. Es folgen harte Ausbildungen und Einsätze, die in der Dienstzeit möglicherweise die ganze Welt betreffen können. Prädestiniert für die Fremdenlegion wären Alleinstehende, die nach einem neuen Sinn im Leben suchen würden.


Im Herbst des Jahres 3 der Neuzeit wurde der „Hangwall“ eingeweiht, jener neu errichtete Mauerhalbkreis, der den Aufmarsch zum Hochland vom Norden her bewacht. Dabei hat der König des Hochlandes ein altes Gesetz geändert. Dieses Gesetz besagt, dass der amtierende König des Hochlandes mindestens eine Herausforderung im Kampf auf Leben und Tod pro Jahr annehmen muss. Jeder König hatte das Recht darauf, die Anzahl der Herausforderungen zu erhöhen, nicht jedoch sie abzuschaffen. Dieses Gesetz wurde insbesondere von göttergläubigen Hochländern sehr verehrt, war es doch das Gesetz des Wächters, jener Gott der Hochländer, der damit angeblich über die Könige des Landes wachte.

König William meinte, dass dieses Gesetz, dem er auch verpflichtet sei, seine Gültigkeit verloren hätte. Angeblich hatte er Zwiegespräche mit dem Wächter gehabt und nun dessen Rückendeckung. Es sei ein veraltetes Gesetz. Nicht mehr zeitgemäß. Heutzutage sollten Herrscher aufgrund ihres Könnens und ihres Geistes ausgewählt werden und nicht weil sie einen Gegner töteten.

Stattdessen solle es den zukünftigen Königen gestattet sein, einen Nachfolger zu bestimmen. Dabei hätte der innerste Rat des Herrschers noch ein Veto-Recht und die so genannte „Vertrauensfrage“, wie vor Jahren in ähnlicher Form schon im Reiche Borburad eingeführt. Dort nannte man es „Anzweiflung“.

Außerdem sollte es einem Herrscher des Hochlandes gestattet sein, ab zu danken. Z. B. wenn man merkt, man sei „zu alt für den Job“ oder könne seiner Aufgabe aufgrund von Krankheiten oder ähnliches nicht mehr wahrnehmen.

Es seien alte Denkweisen, die König William abschaffen wolle. Sein Volk müsse moderner werden und sich der großen Welt öffnen. Sogleich verkündete er seinen Nachfolger. Es sei einer seiner Berater und Freunde namens Tales. Jener Tales, der wegen seiner doppelschneidigen großen Axt den Beinamen „Die Axt“ trägt.

Im Winter 3 NZ verkündete William bei der Eröffnung des "Museum der Geschichte des Hochlandes" in Argalia, dass er abdankt. Gleich nach der Eröffnung der neu gebauten Stadt namens Hochtor zu Fuße des Berges und „hohen Landes“, auf dem die Hochländer beheimatet sind, würde er sich von allen offiziellen Geschäften zurück ziehen. Nachfolger werde, wie zuvor von ihm auserkoren, sein bester Freund Tales.

Der König verkündete, dass er nach der Eröffnung der Stadt das Hochland und die Stadt vorerst verliese, um noch einmal die Barbaren zu besuchen. Dabei würde er erneut in Zylon dem Barbarenkönig seine Aufwartung machen und danach „über die Welt wandeln“ und „schauen, was es da draußen sonst noch so gibt!“.

Unterdessen hört man von Rosco, ehemaliger Freund und Berater des Königs, nur schlimmes. Er soll den König verraten, zahlreiche Wertgegenstände aus der königlichen Schatzkammer gestohlen und sich einfach davon gemacht haben. Nicht nur habe er den Tempel des Wächters mit zahlreichen hinterhältigen Fallen gespickt und somit entehrt, er habe auch den größten Raub in der Geschichte des Landes begangen.

Er gelte nun als Hochverräter, größter Feind des Hochlandes, wächterloser Ungläubiger, Tempelschänder, Gotteslästerer, ruchloser, skrupelloser Dieb und Volksverräter, ereiferte sich William und betitelte ihn mit noch einigen unschönen Wörtern mehr. Und spontan setzte er eine Belohnung auf seinen Kopf auf. 10.000 Goldmünzen. Tot oder lebendig wäre egal. Bei lebendig gäbe es jedoch das Zehnfache.

Ein paar Wochen später will ein reisender Wikinger namens Elfreg angeblich Rosco gesehen haben. Er sei seit fast ein Jahr scheinbar der Betreiber eines Wirtshauses. Dort soll er inmitten der Wildnis Unterkunft und Verpflegung zu horrenden Preisen anbieten. Alle dort ansässigen Bürger hätten sich bis über beide Ohren verschuldet und würden ihm für Versprechen von Schuldenerlass dienlich sein. Die Einrichtung selbst bestünde aus "zusammengeklauten, bunt gemischten Sachen", so der Wikinger.

William entgegnete, dass das Kopfgeld auf Rosco noch bestehen würde. Und da Elfreg ja wisse, wo man Rosco finden könne...



Fortsetzungen möglich...